Bereits im Jahr 1998 haben wir uns entschieden, den Kindern neben Hochdeutsch auch Plattdeutsch als zweite Sprache anzubieten. Weil wir in Ostfriesland leben war es für uns naheliegend, die plattdeutsche Sprache anzubieten, denn damit werden die Kinder auch im Alltag konfrontiert und wir leisten einen Beitrag zum Erhalt dieser Sprache.

In jeder Gruppe gibt es mindestens eine Bezugsperson, die regelmäßig mit den Kindern plattdeutsch spricht.

Plattdeutsche Lieder, Kreisspiele und Gedichte werden von den Kindern besonders gerne angenommen.

Was bringt frühe Mehrsprachigkeit?

Im Alter bis zu acht Jahren lernen Kinder besonders gut Sprachen. In dieser Zeit entwickelt sich das Gehirn mitsamt Sprachzentrum. Es ist nachgewiesen, dass diese Entwicklung bei mehrsprachigen Kindern anders verläuft als bei einsprachigen Kindern.

Frühe Mehrsprachigkeit fördert Kinder in ihrer intellektuellen und sprachlichen Entwicklung. Mehrsprachig aufgewachsene Kinder sind sprachlich gewandt und lernen leichter Fremdsprachen.

Die Annahme, dass die Entwicklung der Muttersprache darunter leiden könnte, wenn man kleinen Kindern bereits mehrere Sprachen anbietet, stimmt nicht. Im Gegenteil, die Entwicklung der Muttersprache wird durch das Erlernen einer zweiten Sprache gefördert.

Kinder sind Experten im Erlernen von Sprachen. Je nach Entwicklungsstufe machen sie Fehler, das ist normal. Bis zum sechsten Lebensjahr hat ein mehrsprachiges Kind in der Regel gelernt, die verschiedenen Sprachen zu entmischen.

Welche Sprachen sind geeignet?

In zweisprachigen Gebieten wie Ostfriesland bietet es sich an, die Regional- oder Minderheitensprache für die zweisprachige Erziehung zu nutzen, weil damit die natürlichen Ressourcen am besten ausgeschöpft werden und die Kinder die zweite Sprache am umfassendsten lernen können. Eine Nahsprache wie Plattdeutsch hören die Kinder auch außerhalb des Kindergartens oder der Schule. Dadurch werden ihre Sprachkenntnisse vertieft und verbreitert.

Wie werden Kinder mehrsprachig?

Kinder werden mehrsprachig, wenn man ihnen häufigen Kontakt zu mehr als einer Sprache ermöglicht. Dies kann in der Familie geschehen, wenn zum Beispiel Vater und Mutter unterschiedliche Sprachen sprechen oder in Kindergarten und Schule. Je länger und intensiver der Sprachkontakt ist, am besten täglich, desto mehr lernen die Kinder.

Wie bereits erwähnt, sind kleine Kinder Experten im Sprachen lernen. Sie brauchen nicht korrigiert zu werden. Wir Erwachsenen können lediglich dafür sorgen, dass wir den Kindern die Sprachen, die sie lernen sollen, in möglichst guter Qualität anbieten, denn Kinder lernen durch nachahmen. Darum sollten wir Kinder in der Sprache ansprechen, die wir selbst am besten beherrschen. Das ist meistens unsere eigene Muttersprache.